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C.J.Campbell: Die neue Energiekrise, wann werden wir endlich daraus lernen? (14.09.00) (dt. Übersetzung: Werner Zittel) Die französischen Fischer begannen vor einigen Tagen mit Protesten. Doch schon greifen diese auf England über. Jedermann entrüstet sich über die hohen Benzinpreise. Verständlicherweise sind die Verbraucher empört und suchen nach einem Schuldigen, sei es ein nach Steuern gieriger Kanzler oder ein OPEC-Scheich. Sie haben recht damit, den Regierungen die Schuld zuzuschieben: Nicht für den hohen Ölpreis, aber für die einzigartige Verleugnung des Problems und für die Verwirrung angesichts der Tatsache, daß die Ölförderung nachläßt. Wären die Menschen besser informiert worden, so würden sie ihre persönliche Energie nicht in Blockaden investieren, sondern nach langfristigen lebensfähigen Lösungen suchen. Die Welt schlittert in eine neue Ölkrise. Die Ursachen für diese Krise sind denjenigen Analysten schon lange evident, die die Endlichkeit des Erdöls, dessen globale Verteilung und vor allem dessen zeitliche Erschöpfung, beobachten. Andere welche blind sind für technologische Realitäten und Marktkräfte, waren und sind unfähig, die Vorzeichen zu lesen. Es ist offensichtlich, daß ein Zusammenhang zwischen der Entdeckung und dem Verbrauch von Öl besteht: Öl, das man verbrauchen will, muß vorher gefunden werden. Hieraus ergibt sich zwangsläufig, daß dem Maximum der Neuentdeckungen in den 60er Jahren - das eine historische Tatsache ist - das Maximum der Produktion folgen muß. Analysiert man die Zahlen, so wird evident, daß das Maximum der konventionellen Ölproduktion um das Jahr 2005 erreicht sein wird. Ungefähr fünf Jahre später wird das Produktionsmaximum für alle Kohlenwasserstoffe [also Erdöl und Erdgas zusammen; Anm.] erreicht sein, falls kein grundsätzlicher Wechsel im Verbrauchsverhalten erfolgt. Öl ist aus geologischen Gründen sehr ungleich verteilt. So liegt etwa die Hälfte des noch verbleibenden Erdöls in fünf Staaten im Nahen Osten. Darüber hinaus führten die Enteignungen von Ölfirmen in den 70er Jahren zu Verwerfungen des normalen ökonomischen Musters der Erschöpfung der natürlichen Ölreserven. Hierdurch wurde die Ölindustrie gezwungen, die relativ schwierigen und teueren Gebiete wie Nordsee und Alaska so schnell als möglich zu erkunden und zu erschließen. [Anm.: Die Nordsee mit den größten und günstigsten Feldern im Bereich einiger Gigabarrel und Förderkosten um 10 - 15 $ pro Barrel ist im Vergleich zu den großen Feldern des Nahen Ostens mit bis zu 120 Gigabarrel Inhalt und Förderkosten um 1-2 $ pro Barrel aufwendig und schwierig zu erschließen. Die Nordsee war innerhalb der vergangenen 50 Jahre die größte neu entdeckte Ölprovinz]. Notgedrungen wurden von den Ölfirmen die sehr lange bekannten leicht zugänglichen und billigen Ölreserven den OPEC-Staaten abgetreten. Damit war aber schon lange voraussehbar, daß dies zu einer großen Abhängigkeit bzgl. der Preisgestaltung führen werde. Die Ölindustrie leidet durch ihre gesamte Geschichte an "Hochkonjunktur und Bankrott". Diese sind der Natur des Auffindens und Produzierens einer flüssigen Ressource eigen, die in der Natur nur an wenigen Stellen konzentriert vorkommt. Die Ölindustrie benötigte immer eine gewisse Kontrolle innerhalb des freien Kapitalmarktes. Diese Kontrolle wurde anfangs von Standard Oil, der Texas Railroad Commission, später von den großen Ölgesellschaften und schließlich durch die OPEC selbst ausgeübt. Bis jetzt versuchte diese Kontrolle, Überschußproduktion zu begrenzen und die Preise in einem Angebotsmarkt von Überschußproduktionskapazitäten zu steuern. Die prinzipielle Struktur der Regulierung ändert sich jedoch mit Überschreiten des Produktionsmaximums dann, wenn der Markt eher mehr als weniger benötigt. Die "Texas Railroad Commission" hörte damit auf , die US Ölproduktion zu rationieren, als das Land im Jahr 1970 das Produktionsmaximum überschritt. Die Nordseeölproduktion ist derzeit am Produktionsmaximum und wird mit großer Reduktionsrate in den kommenden Jahren zurückgehen. Die Nachfolgestaaten der früheren Sowjetunion hatten das Produktionsmaximum im Jahr 1988 und die OPEC-Staaten außerhalb des Persischen Golfes haben ebenfalls das Produktionsmaximum bereits überschritten. Dies bedeutet, daß die Kontrolle über die Weltölversorgung ausschließlich bei den fünf Nahost-OPEC-Staaten liegt. Obwohl dies so offensichtlich ist, wurde es weithin noch nicht verstanden. Sogar die Regierungen der OPEC-Staaten selbst haben die Stärke der Position, die ihnen zufiel noch nicht voll begriffen. Sie haben eine unbegründete Angst davor, daß steigende Ölpreise die Ölproduktion der nicht-OPEC-Staaten mit Hilfe neuer Technologien und Marktkräfte stärker antreiben könnten. Sie haben Angst davor, daß hohe Ölpreise den Übergang zu alternativen Energien einschließlich von Gas, Kohle und Kernenergie, aber auch von Energieeffizienztechniken und möglicherweise Erneuerbaren Energieträgern antreiben könnten Tatsächlicher aber, geht die Ölproduktion außerhalb der Nahoststaaten wegen der Erschöpfung der Lagerstätten unausweichlich zurück.. Die Produktionrate der Nordsee wird innerhalb der kommenden zehn Jahre halbiert sein. Entsprechend wird der Anteil der konventionellen Ölförderung aus den wesentlichen fünf Nahoststaaten zunehmen. Im Jahr 1973 zu Beginn der ersten Ölkrise betrug dieser Anteil 38 Prozent. Bis 1985 ging er jedoch auf 18 Prozent zurück, weil bereits bekannte neue Ölfördergebiete in Alaska und in der Nordsee [Anm.: In diesen Regionen wurden die größten Ölfelder bereits Ende der 60er Jahre gefunden] einen schnellen Produktionsanstieg aus deren größten Feldern ermöglichten. Die größten Ölfelder werden bei der Erkundung eines neuen Gebietes immer zuerst gefunden. Seither stieg der Anteil der OPEC-Staaten an der Ölproduktion auf heute über 30 Prozent. Diesmal aber wird der Anteil der OPEC-Staaten an der Ölproduktion weiter steigen, weil keine neuen Ölfördergebiete bekannt oder in Sichtweite sind. Es ist sehr wahrscheinlich, daß die OPEC-Staaten bis 2010 etwa 50 % Anteil an der Rohölproduktion haben werden, vorausgesetzt, daß der Ölbedarf bei den steigenden Ölpreisen konstant gehalten werden kann. Die Welt verfügt über große nicht-konventionelle Ölvorkommen in Form von Schweröl, Bitumen, Olschiefer, polarem Öl [Anm.: Öl, das nördlich des 66 Breitengrades liegt] und Tiefseeöl. Dieses Öl zu produzieren, erfordert jedoch große ökologische und finanzielle Aufwendungen. Das Vorhandensein dieses Öls wird keinen großen Einfluß auf das bevorstehende Produktionsmaximum haben. Die (oft zitierte) freie Produktionskapazität kann viel bedeuten: Eine vorübergehend still gelegte Ölquelle im Nahen Osten kann wieder eröffnet werden, um eine anhaltend hohe Durchflußrate zu gewährleisten. Neue "Enhanced Oil Recovery"-Techniken und Explorationsmethoden werden jedoch über die Zeit zwar wenig neues Öl bereitstellen, aber hohe Investitionen und Arbeitsleistungen erfordern. Die OPEC-Produzenten müssen immer schneller neue Quellen anschließen, wenn sie die Gesamtproduktion konstant halten wollen, da der geologisch bedingte Rückgang der Ölproduktion der alten Felder kompensiert werden muß. Etwa 90 Prozent des heute produzierten Öls kommen aus Ölfeldern, die mehr als 20 Jahre alt sind, 70 Prozent aus Ölfeldern älter als 30 Jahre. Es sickert allmählich durch, daß nur noch wenige Ölquellen bereitstehen, die sofort in Produktion genommen werden können. Die Welt hat kaum noch freie Produktionskapazität und ein leichtsinniges Entleeren der Lagerbestände zeigt den tiefsten Stand seit 24 Jahren. Es gibt keinen guten Grund für die OPEC-Staaten, die Produktion anzuheben, wenn ihr Gewinn bei einer Drosselung der Produktion steigt. Die westlichen Verbraucherstaaten haben ebenfalls keinen guten Grund, die OPEC zu einer Ausweitung der Produktionsmengen zu drängen: Dies würde nur bedeuten, daß das unausweichliche Produktionsmaximum höher und damit der nachfolgende Rückgang stärker würde. Zwar würde eine kurzfristige Produktionsausweitung einen kurzfristigen Preisrückgang bewirken, doch böte dies keine langfristige Lösung für die Verbraucherstaaten. Die OPEC befindet sich in einem Dilemma, sobald sie ihre grundsätzliche Rolle hinterfragt: Läßt ihre traditionelle Rolle der Festlegung von Produktionsquoten genügend Raum für eine neue Politik, um dem zunehmenden (möglicherweise sogar militärischen) Druck der Verbraucherstaaten auf eine Produktionsausweitung zu widerstehen? Es ist eine Ironie der Geschichte, daß das Vereinigte Königreich und die USA den Irak bombardieren, auf dessen Öl sie unausweichlich angewiesen sind. Man muß kein Erdölgeologe sein, um das prinzipielle Konzept der Erschöpfung der Ölreserven zu verstehen. Man denke an ein Glas Bier. Der erste Schluck schmeckt am besten, aber sobald das Glas halb geleert ist und man realisiert, daß bereits mehr getrunken wurde als noch im Glas verbleibt, wird die Freude getrübt. Wenn das Glas leer ist, kann man nur noch nach dem nächsten Bier fragen, solange bis das Lokal geschlossen wird. Mit Erdöl verhält es sich sehr ähnlich: Das Produktionsmaximum kommt ungefähr, nachdem die Hälfte des Öls verbraucht wurde, also wenn das Glas halbleer ist. Der Grund, warum die Menschen die Situation nicht besser verstehen, ist, daß öffentlich zugängliche Daten über die Reservelage aufgrund ungenauer Defínitionen und mangelhafter Berichterstattung sehr unzuverlässig sind. Die Industrie hat in der Vergangenheit die Größe von neuen Ölfeldern aus einer Reihe von guten administrativen und kommerziellen Gründen zu klein angegeben. Daher schien es, als ob die berichteten Reserven mit der Zeit wachsen würden. Dies führte zu der irrigen Interpretation, daß mehr Öl gefunden wurde, als tatsächlich der Fall war. Tatsächlich jedoch wird von vier Barrel Öl, die verbraucht werden, nur etwa ein Barrel durch neue Ölfunde ersetzt. Die jährlichen Höherbewertungen bekannter Ölfelder wurden fälschlicherweise technologischem Fortschritt zugeschrieben. Tatsächlich jedoch sind sie Ausdruck der Art des Berichterstattens. Technologischer Fortschritt hält die tatsächliche Produktion so lange als möglich auf höchstmöglichem Niveau. Ein Ölfeld kann jedoch nicht mehr Öl enthalten als urspünglich vorhanden war, da es über Millionen Jahre aufgefüllt wurde. BP sollte den Preis für die am besten versteckte Bestätigung der Erschöpfung der Ölreserven dafür erhalten, daß es sein Logo zu einer Sonnenblume mit dem Kommentar änderte, BP stehe nicht mehr für "British Petroleum", sondern für "beyond petroleum". Der Welt steht eine Ölkrise bevor: Die Ölproduktion befindet sich heute auf maximal möglichem Niveau. Sowohl der Verkehrssektor, als auch unsere Landwirtschaft hängen an der Ölversorgung. Der Welthandel wiederum hängt vom Verkehrsbereich ab. Um es nochmal zu sagen: Uns geht das Öl nicht aus, aber uns steht das Maximum der Verfügbarkeit des Kraftstoffes bevor, der unsere Wirtschaft und unseren Wohlstand über mindestens ein Jahrhundert angetrieben hat. Was sollen wir angesichts dieser Tatsache tun? Der erste Schritt ist, die Tatsachen anzuerkennen und uns mit ihnen zu arrangieren. Der nächste Schritt ist, das noch verfügbare Öl intelligent für einen eiligen und baldigen Übergang zu nutzen, um neue Wege zu finden, wie wir mit zunehmend weniger Öl auskommen. Wir brauchen ja bloß auf unsere Straßen zu schauen um zu sehen, wie verschwenderisch wir heute sind. Die Botschaft an unsere Regierungen ist eindeutig: Kommt endlich auf die Beine und hört endlich auf, die OPEC nach Hilfe anzubetteln! Stellt Euch ehrlich der Situation! Informiert die Bevölkerung aufrichtig, dann werden sie die Maßnahmen, die ergriffen werden müssen, verstehen und unterstützen, auch wenn diese drakonisch sein werden. Macht Euch endlich an die Arbeit in die neue Richtung! Denkt an 1940! ------------------------------------
THE IMMINENT PEAK OF WORLD OIL PRODUCTION A presentation to a House of Commons All-Party Committee on July 7th 1999 by C.J. Campbell http://www.hubbertpeak.com/campbell/commons.htm THE END OF CHEAP OIL by Colin J. Campbell and Jean H. Laherrère, Scientific American, March 1998 http://dieoff.com/page140.htm Subscribe to the BRAIN FOOD mailing list by sending a blank message to mailto:feedme@chatzilla.com
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